Drei Tage Südtirol – Wandern bis die Füße bluten

Drei Tage Südtirol – Wandern bis die Füße bluten

Das Gute liegt so nahe, heißt es oft. Wenn ich diesen Satz höre, werde ich ab jetzt immer an Südtirol denken!
Für Menschen, die wie ich Bewegung in der freien Natur, phänomenale Landschaften und Ruhe lieben, ist Südtirol genau der richtige Ort für eine Reise.
Dabei kann man auch hier mit kleinem Budget einzigartige Momente erleben.

Wieso Südtirol?

Tirol hat mich schon immer fasziniert, aber den Entschluss dorthin zu fahren, habe ich dann recht kurzfristig getroffen. Letzten Sommer war ich bei einem Freund, der schon auf der ganzen Welt war, und nun sein neustes Reisevideo zeigen wollte.
Was ich dort sah, hat mich einfach fasziniert. Wunderschöne Landschaften, eine wilde unberührte Natur und jede Menge Geschichte. Führte doch die Front durch die Berge Südtirols.
Mein Großonkel hatte hier im Ersten Weltkrieg gedient, und als ich die tollen Aufnahmen meines Freundes sah, hatte ich sofort wieder die Bilder und Geschichten über meinen Großonkel im Gebirgskrieg im Kopf. Als ich an diesem Abend nach Hause kam, war klar, da muss ich hin! Gleich am nächsten Morgen legte ich mit der Recherche los. Was wollte ich unbedingt sehen? Bzw. was muss man gesehen haben, wenn man in Südtirol ist? Da für meine Reise nur drei Tage eingeplant waren, musste ich mich freilich einschränken. Schnell war klar, eine Wanderung um die Drei Zinnen, den Monte Piana sowie der Sorapiss See mit seiner unnatürlich türkisen Färbung sollten es sein.

Tag 1: Erster Abend

Das Essen ein Traum! 

Durch diverse Staus und Ähnliches kam ich erst am späten Nachmittag in Südtirol an. Es war gerade noch genug Zeit, um mich mit der dortigen Küche vertraut zu machen.
Und ich kann euch sagen… ein Traum!
Knödel in allen Formen und Farben. Besonders angetan hatten es mir die Kaspressknödel sowie die Schlipfkrapfen. Wenn ihr mal dort seid, müsst ihr die unbedingt versuchen! An dieser Stelle möchte ich kein bestimmtes Lokal empfehlen, denn das Essen war überall sehr gut und der Preis ebenso fair. In den kommenden Tagen habe ich mich ausschließlich von Knödeln in den verschiedensten Variationen ernährt.
Nur gut, dass ich so viel unterwegs war, sonst hätte sich die deftige Ernährung sicherlich bemerkbar gemacht.

Tag 2 - Monte Piana & Drei Zinnen

Kriegsschauplatz 

Früh am Morgen machte ich mich zu Monte Piana (2.324 Meter) auf, wo im Ersten Weltkrieg die Front zwischen Italien und Österreich verlief. Obwohl es noch sehr früh war, war am Parkplatz schon einiges los.
Durch meine Recherchen wusste ich, dass man auch mit einem Jeepshuttle auf den Berg fahren konnte. Ich fand, das klang wirklich cool, und da ich an diesem Tag noch zu den Drei Zinnen wollte, entschied ich mich damit hochzufahren.

Mit dem Jeep auf den Berg 

Das Shuttle kostete etwa 9 € für Hin- und Rückfahrt, das war es mir wert, konnte ich damit doch gut 2 Stunden sparen. Die Fahrt war dann auch ein Erlebnis für sich, denn die Straßen sind unglaublich eng und ohne Funk würden die Fahrer überhaupt nicht aneinander vorbeikommen.
Außerdem wusste der Fahrer einiges über den Berg bzw. andere schöne Wanderrouten in der Umgebung zu erzählen.

Durch Schützengräben und Bunker 

Oben angekommen begann ich meine Wanderung an der Bosi Hütte.
Angeblich befinden sich in der Hütte Fundgegenstände vom Berg. Allerdings habe ich das erst nach meinem Besuch herausgefunden und kann somit nicht sagen, ob da etwas Wahres dran ist.
Von der Bosi Hütte führt der Rundwanderweg, vorbei an den Stellungen und Schützengräben der Italiener und der Österreicher, die den Berg hier im Ersten Weltkrieg besetzt hielten.
So passierte ich auf meinem Weg, Höhlen, die den Soldaten damals als Unterschlupf dienten. Einige dieser Höhlen und Bunker können, auf eigene Verantwortung, auch begangen werden. Dabei empfiehlt es sich allerdings eine Stirnlampe mitzunehmen, außerdem sollte man nicht unter Klaustrophobie leider, da diese Tunnel, selbst für mich, wahnsinnig schmal waren.
Es ist erschreckend zu sehen, wie nah sich die Männer dort waren und welchen extremen Witterungsbedingungen sie dort zu jeder Jahreszeit ausgesetzt waren.
Kaum auszudenken, was die Männer dort früher durchleben mussten!
Die Aussicht, die sich einem hier von allen Seiten bietet, ist ein wahrer Augenschmaus. Aber dennoch verliert man nie das Gräuel aus den Augen, das hier durchlebt wurde.

Klettersteig oder Wanderweg? 

Einige der Wege führen ganz nah, am Felsen entlang, auf der anderen Seite geht es steil nach unten. Eigentlich sind es beinahe mehr Klettersteige als Wanderwege, was sie für mich aber nur interessanter machten. Hier gibt es auch Drahtseile, an denen man sich festhalten kann.
Für diese Wege solltet ihr allerdings trittsicher, schwindelfrei und gut ausgerüstet sein.
Mit Flip-Flops hätte man da wohl keine guten Karten. Klingt jetzt vielleicht blöd, ist mir beim Wandern aber durchaus schon untergekommen. Natürlich kann man diese Passagen auch auslassen und eher gemütlich über den Berg wandern.

Dolomitenfreunde

Geht man den ganzen Berg ab, so kommt man auf gute 10 km Strecke. Wer nach dieser Wanderung mehr über den Stellungskrieg am Monte Piana wissen möchte, dem empfehle ich einen Abstecher ins Museum der Dolomitenfreunde nach Kötschach-Mauthenzu machen. Der Verein hat die Wege am Monte Piana unter anderem angelegt und setzt sich für die Erhaltung dieser Wege ein. Im Museum erfährt man interessante Details zu den Kampfhandlungen und dem mühsamen Leben der Soldaten am Berg.

Die Drei Zinnen 

Nachdem ich durch den Jeepshuttle Zeit gespart hatte, machte ich mich auf den Weg zu den Drei Zinnen. Mit dem Auto ist die Anfahrt sehr angenehm und es gibt auch genügend Parkmöglichkeiten in der Umgebung. Für die Zufahrt zahlt man einen Beitrag von 22 € (Maut), dafür erhält man eine ausführliche Wanderkarte, in der sich neben Informationen auch Schwierigkeitsgrade der Strecken befinden. Wer hier sparen will, kann sein Auto am Misurinasee parken und die Mautstraße mit einem Linienbus bis zur Auronzo Hütte (2.320 m) fahren.

Freilich ist dort einiges los, sind die Drei Zinnen doch die „Hauptattraktion“ in Südtirol.
Und ja, die Drei Zinnen haben mich beeindruckt. Wieso? Das kann ich selbst nicht wirklich sagen. Die Steinformation ist einfach imposant. Die Bergwelt rings herum ist unglaublich schön, teilweise dachte ich mir beim späteren Betrachten meiner Bilder, dass sie irgendwie „surreal“ aussehen. Es kann doch nirgends so schön sein! Aber doch, es kann! Was für ein Traum muss es sein, einmal auf den Drei Zinnen zu stehen, den Blick und die Ruhe zu genießen.

Grandiose Ausblicke und blutige Einsichten

Aber genug geträumt! Die Tour ist eigentlich ziemlich einfach. Die Tour beginnt an der  Auronzo Hütte und führt einem sehr breit angelegten Weg entlang der Südseite der Drei Zinnen. Dem Wanderweg 101 folgte ich, bis zur Lavaredo-Hütte. Von dort aus werden die Menschenmassen weniger, die meisten Besucher kehrten bei der Hütte ein und wanderten dann zurück. Hier wird der Weg dann auch etwas steiler, am Paternsattel wird man dann allerdings bereits mit einem tollen Ausblick belohnt. An der Weggabelung am Paternsattel (2454m) konnte ich nun zwischen zwei Wegen wählen. Entweder den kürzere Weg links der an der kleinen Zinne und am See vorbei führt oder zur drei Zinnen Hütte. Bereits vom Monte Piana aus konnte ich die Drei Zinnen Hütte sehen.
Neben den Drei Zinnen war die Hütte winzig. Der Anblick hatte ich fasziniert und so entschloss ich mich für den längeren Weg, um die Hütte auch einmal von Nahem zu sehen.
Und diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig! Endlich bei der Drei Zinnen Hütte angekommen, wollte ich etwas höher hinaus und beschloss einen der Steige, die seitlich ober der Hütte entlangführen, zu gehen. Von dort aus bot sich mir eine phänomenale Aussicht und als kleines Extra stimmten einige Männer am nächstgelegenen Felsen ein Lied an.  Und die konnten singen, Wahnsinn!
Man könnte meinen, alles war perfekt, und das stimmte bis zu diesem Zeitpunkt auch.

Auf dem Rückweg sollte ich noch eine wichtige Lektion lernen. Beim Wandern muss man immer eine Erste Hilfe Ausrüstung bei sich haben. Hatte ich natürlich nicht. Wer braucht das schon? Naja, ich!
Beim Abstieg passierte natürlich nicht, denn da war ich auch konzentriert und achtete auf jeden meiner Schritte. Als ich dann wieder auf der Ebene ankam, rutschte ich aus und fiel so blöd, dass ich mir einen Felsen ins Knie rammte.
Die Wunde blutete ordentlich und ich hatte nicht mehr als ein Taschentuch und eine Flasche Wasser bei mir um das Ganze zu behandeln.
Klar hätte ich auch einfach in der Hütte nach Verbandzeug fragen können, aber wie wir Steirer immer so schön sagen: Is jo nix! Solang da Hax noch draun is geht´s weita 😉
Eine wirklich lehrreiche Erfahrung, denn jetzt habe ich ein kleines Erste Hilfe Set führ Radfahrer in meinem Rucksack.

Der „Murmeltier-Kampfschrei“

Angeschlagen und genervt von mir selbst, machte ich mich also auf, um meine Umrundung der Drei Zinnen zu beenden. Allerdings besserte sich meine Stimmung relativ schnell, denn auf meinem Weg  zur „lange Alm Hütte" traf ich auf einige Murmeltiere, die dort überall und durchaus zutraulich unterwegs sind. Ich hatte so ein Tier noch nie in „Aktion“ erlebt, umso mehr habe ich mich erschrocken als zwei Murmeltiere begannen sich zu streiten.
Da hörte ich zum ersten Mal den „Murmeltier-Kampfschrei“, wie ich ihn nenne.
Zuerst konnte ich nicht ausmachen, woher die Laute kamen, die da plötzlich zu hören waren. Es dauerte ein wenig, bis ich die kleinen Nager ausmachen konnte, um das Geräusch zuzuordnen. Ich hätte nie gedacht, dass diese putzigen Tiere solche Geräusche von sich geben können.
Von der "langen Alm" ist es dann nicht mehr weit bis zum Parkplatz. Nach knappen 10 km, hatte ich meine Drei Zinnen Umrundung beendet und war glücklich über die unvergesslichen Erinnerungen, die ich an diesem Tag sammeln konnte.

Tag 3 - Der Sorapiss See

Mein absolutes Highlight war allerdings der Sorapiss See. Als ich während meiner Recherchen auf Bilder des Sorapiss Sees stieß, dachte ich die Bilder müssen stark bearbeitet sein. Der See sah unnatürlich Türkis aus. Das kann nicht natürlich sein, dachte ich mir. Aber mein Interesse war geweckt. Also beschloss ich, mir das Ganze selbst anzusehen.

Auf den Weg machen

Mein Weg zum See begann sehr sehr früh am Morgen am Passo Tre Croci. Im Internet hatte ich gelesen, dass die Strecke im Sommer häufig komplett überlaufen wird und man daher besser früh aufbrechen sollte. Vom Passo Tre Croci aus, geht es vorbei an einer Schranke, an der ein Schild mit Nr.215 den Weg weist. Zuerst ging ich eine ganze Weile durch den Wald, die Strecke war angenehm und meist etwas abschüssig. An jeder Abzweigung änderte sich der Blick. Immer wieder erhaschte ich tolle Ausblicke auf die umliegende Bergwelt.

Salve! 

Auf meinem Weg begegnete ich bereits früh morgens einigen Wanderern die, wie meistens, sehr freundlich waren. Zuerst verstand ich ihren Gruß nicht richtig, dachte es liegt an meinen kaum vorhandenen italienischen Wortschatz. Die wenigen Worte Italienisch die ich konnte, sind ist mittlerweile mehr als eingerostet. Irgendwann verstand ich sie dann doch und war begeistert. Die Wanderer in diesem Gebiet grüßen sich mit Salve! Ja das klingt jetzt wenig spannend. Aber mir hat es ausgesprochen gut gefallen. Hat es mich doch immer an Asterix erinnert 😉
Komischerweise wurde dieser Gruß immer seltener umso mehr Menschen, obgleich die meisten Italiener waren, ich auf der Strecke begegnete. Vielleicht war das nur der Gruß der „richtigen Wanderer“ und nicht der Touristen?

Wanderweg? Das ist doch ein Klettersteig! 

Langsam lichtete sich der Wald und ich kam in felsigeres Gebiet. Hier wandelte sich der gemütliche Weg zu einem schmalen Pfad, der sich eng am Fels entlangschlängelte. Nicht weiter anstrengend aber doch anspruchsvoller als die erste Passage. Der Weg stieg an, mittlerweile waren auf der Felswand auch Halteseile angebracht, links ging es hunderte Meter in die Tiefe. Der Blick, den man hier von allen Seiten genießen konnte, war einfach unbeschreiblich schön. Nachdem die Klettertour vorbei war, ging der Weg wieder relativ angenehm weiter, bis ich zur Vandelli Hütte kam. Nur noch wenige Schritte, dann sollte ich endlich den Sorapiss See sehen!

Türkisblau

Ein Stück nach der Hütte bot sich mir ein Anblick den ich nie vergessen werde. Zwischen all dem Grün der umliegenden Vegetation blitzte es plötzlich türkiesblau hervor. Der erste Blick auf den Sorapiss See, endlich geschafft. Ich konnte nicht glauben wie schön es hier war.
Ich hatte extra Badesachen dabei um mich nach der Wanderung im See abzukühlen, entschloss mich dann aber dagegen, da der See, relativ kühl war. Allerdings gönnte ich meinen Füßen eine kurze Abkühlung.
Nachdem ich die Schönheit der Natur dort eine ganze Weile genossen, andere Wanderer beobachtet und mich ausgeruht hatte, machte ich mich auf den Weg zur Hütte. Dort holte ich mir etwas zu trinken und genoss den herrlichen Blick ins Tal. Danach machte ich mich auf den Rückweg zum Passo Tre Croci. Hier wurde schnell klar, dass die Entscheidung so früh aufzubrechen goldrichtig war. Eine endlose Masse an Menschen zwängte sich die engen Steige entlang. An den schmalen Passagen konnte das sehr unangenehm werden.
Besonders interessant fand ich, dass die Italiener dort auch mit Kleinkindern hochwandern. Etwas Vergleichbares habe ich in Österreich noch nie gesehen. Also zumindest nicht auf solchen Strecken.

Das war dann auch schon mein letzter Tag in Südtirol.  Abends gönnte ich mir noch einmal, mein Lieblings-Knödelmenü, ehe ich mich am nächsten Morgen schweren Herzens auf die Heimreise begab.
Aber ich werde sicherlich wiederkommen!

Kosten

Die Reise war sehr sehr günstig. Kosten für Unterkunft sparte ich, in dem ich Campen war. Für den Campingplatz zahlte ich mit Auto und Zelt unter 10 € pro Nacht. Außerdem kann man sich selbst versorgen, indem man z. B. grillt.
Auf den meisten Campingplätzen gibt es aber auch eine Küche, die man benutzen darf. Dann kann man ganz normal kochen und ist nicht vom Wetter abhängig.
Hier kann ich z. B. den Campingplatz am Toblacher See empfehlen. Dort war es wirklich toll und die Duschen und WCs waren sehr sauber. Mittlerweile muss man bei Campen auf nichts mehr verzichten, sogar W-Lan ist bei den meisten Campingplätzen Standard, wenn auch häufig kostenpflichtig.
Außerdem ist das Restaurant dort sehr zu empfehlen. Es gibt aber auch jede Menge Privatzimmer in Südtirol, in denen man wirklich äußerst günstig nächtigen kann. Für die Wandertouren kann man sich Brote, Obst oder Müsliriegel mitnehmen, somit ist man auch hier bestens versorgt.