Schloss Hanfelden – Ein Lost Place?

Schloss Hanfelden – Ein Lost Place?

Als gebürtige Steirerin verbringe ich nach wie vor gerne und viel Zeit in meiner schönen Heimat.
Neben wunderschönen Wanderwegen und dem Red Bull-Ring hat die Region auch einiges an Burgen und Schlössern sowie deren Geschichten zu bieten.
Einen solchen, ganz besonderen, Ort durfte ich vor Kurzem erkunden.
Schloss Hanfelden in Unterzeiring.

Verschlossene Türen

Als ich dort ankam, stand ich vor einem verschlossenen Tor. Nur durch einen Spalt konnte ich einen Blick in das Innere der Anlage werfen.
Bereits nach dem ersten Blick war mein Interesse geweckt. Ich musste das Schloss, das einsam und verlassen, fast wie ein Lost Place dastand, unbedingt von innen sehen!
Auf dem Tor war ein Schild angebracht, auf dem Führungen im Schloss angeboten wurden. Da ich nur für wenige Tage in der Steiermark zu besuch war, versuchte ich direkt mein Glück.
Bereits nach dem zweiten Klingeln, hob Robert Midl, er macht die Führungen im Schloss, ab.
Nach einem kurzen Gespräch hatte ich für den kommenden Tag eine Besichtigung vereinbart.

Vorderansicht von Schloss Hanfelden mit Tor

Zwischen Raum und Zeit

Als ich am nächsten Tag durch das Schlosstor trat, fühlte ich mich als hätte ich einen Ort zwischen Raum und Zeit betreten.
Man könnte meinen, hier steht die Zeit still.
Aber ganz so war es freilich nicht. Denn nachdem das Gebäude jahrelang sich selbst überlassen wurde, hat es sich der Verein Archäologie Pölstal in Kooperation mit dem interdisziplinären Arbeitskreis Schloss Hanfelden, zur Aufgabe gemacht, das Schloss zu erhalten bzw. zu restaurieren.
So wurde beispielsweise die Ringmauer für den Winter abgedeckt, um einen weiteren Verfall zu verhindern.
In penibler Kleinarbeit werden Teile des Schlosses wieder aufgebaut, alles nach den hohen Standards des Denkmalschutzes, versteht sich.

Schloss Hanfelden
Ringmauer

„Graffitis“ im Schloss?

Während der Führung erfuhr ich allerhand interessantes zur Architektur des Schlosses.
Betritt man nun aber den Innenhof, öffnet sich einem der wahre Schatz von Schloss Hanfelden.
Für jemanden wie mich, der fasziniert ist von Lost Places, sowie der Geschichte die diese Orte zu erzählen haben, war der Anblick ein Traum. Hier gibt es noch „Graffitis“ der ehemaligen Bewohner. Denn während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss als Unterkunft von Kriegsflüchtlingen benutzt, welche hier ihre Spuren hinterlassen haben.

Architektur- oder ein Schloss im Dornröschenschlaf

Aber auch die Arkaden im Innenhof geben dem Betrachter Rätsel auf, sind die Säulen doch alle unterschiedlich gearbeitet bzw. unterscheiden sich auf beiden Seiten des Hofes grundsätzlich. Außerdem war hier auch die Küche angelegt, auf deren Wänden man heute noch die Spuren der damaligen Arbeit, sehen kann.
Geht man nun in den oberen Stock, zieht einem direkt die alte Kapelle in ihren Bann. Umrahmt von Holz, tritt man in den kleinen Raum, indem immer noch ein Altar steht. An der Wand dahinter sieht man den Abdruck eines Kreuzes, das bereits vor langer Zeit gestohlen wurde.
Die Stuckdecke verleiht dem Ort, einen morbiden Charme der extraklasse. Ich war völlig paralysiert von der vergangenen Schönheit dieses Ortes.
Gegenüber der Kapelle gibt es eine weitere Besonderheit des Schlosses zu sehen.
Zwei, im Kern, vollständig erhaltene Blockwerkkammern, die so, in der Steiermark einzigartig und selbst in ganz Österreich selten, sind!
Mein persönliches Highlight im Schloss Hanfelden, war allerdings die sogenannte „Königsstube“. Hier hatte der spätere Kaiser Maximilian I, nach alter Überlieferung, 1506 eine Nacht verbracht. Eine, noch gut lesbare Inschrift, erinnert an den hohen Besuch. Der Kaiser war damals wegen eines Unglücks im oberzeiringer Bergwerk angereist. Aber ich will an dieser Stelle nicht vorgreifen, das erfahrt ihr alles während der Führung.

Arkaden
Blick in die Kapelle
Inschrift in der Königsstube
Kapelle

Ein wirkliches „Schmankerl“

Während der ganzen Führung unterhielt Robert Miedl, mit Erzählungen über ehemalige Bewohner sowie mit fundiertem Wissen über die architektonischen Besonderheiten des Schlosses.
Der Besuch hat sich für mich wirklich gelohnt. Hat man doch sonst kaum die Möglichkeit einen solchen Ort zu besuchen und seine Geschichte zu ergründen.
Den Eintrittspreis von 20 € (für bis zu 4 Personen) zahlte ich gerne, da er dem Verein und somit der Konservierung des Schlosses zugutekommt.
Solltet ihr nun an einer Führung im Schloss interessiert sein könnt ihr sie mit Robert Miedl unter 0664/5316432 vereinbaren.